Erfolgreicher Sommer für Réti-Senioren
Wie einige andere Réti-Mitglieder habe ich während der Sommermonate an zwei Schweizer Senioren-Schachturnieren teilgenommen.
Ein 7-Runden-Turnier in Laax im vergangenen Juni und ein gerade zu Ende gegangenes 9-Runden-Turnier in Adelboden. Wunderschöne Orte!
Schachtechnisch gab es, wie immer, Höhen und Tiefen, aber alles in allem war das Ergebnis OK-ish. Insgesamt habe ich etwa 20–25 ELO-Punkte gewonnen.
Es kann und muss außerdem erwähnt werden, dass Eugen Fleischer in Adelboden ein besonders hervorragendes Resultat erzielt hat. Er wurde Zweiter mit 6½ aus 9. Ein TPR von 2077. Bravo!
Ein paar Aufgaben zum Lernen und zur Zerstreuung.
Stockfish erkennt natürlich alles in 1–2 Sekunden. Versucht es also einmal ohne das „Allsehendes Auge“ 😊 Viel Glück!
Henks Schachrätsel
Aufgabe 1.
Aus Croket - Sijbring. Stellung nach 32.a2-a4.
Wie hätte Schwarz nun zuschlagen können?
35…Sxe4! 36.Dxe4 (36.Lxe5, Sg3+) Txg4 Dxh3 mit gewonnener Stellung.
Aufgabe 2.
Aus Von Flüe - Sijbring
Ich spielte hier 26…Dh7-h3 was für den Sieg mehr als ausreichte. Wie hätte Schwarz jedoch viel schöner gewinnen können? (Ich meinte nicht 26…Sc6-a5
26…Sd4!
a) 27.exd4 Lxd4+ 28.Sf2,Dh2+
b) 27.Dg2 Sg3+ 28.Kf1 Sxd2! 28.Dxd2,Dxh1
Aufgabe 3.
Aus Thomann - Sijbring.
Weiß hatte gerade ohne groß nachzudenken 16.Ld2-g5 gespielt, und ich spielte fast a-tempo 16...f7-f6 (attackiert der Läufer), worauf 17.Lg5-c1 folgte.
Während der Partie hatte ich gesehen, dass 17.Sd6 nicht ganz funktioniert. Schwarz kann 17...Sa5 spielen (woraufhin Weiß zwar besser steht).
Was hätte Weiß auf den 17. Zug spielen können?
Wie gesagt 17.Sd6?! ist die weniger richtige Fortsetzung, Schwarz hat gerade noch 17...Na5! 18.Nxb7! Nxb7 19.Be3 Nf8. Weiß steht besser, aber Schwarz ist noch lange nicht am Ende.
Auch 17.Lh3 ist weniger gut: 17...Sf8 18.Db3, Kh8 führt zu einer ausgeglichenen Stellung
Weiß hatte jedoch einen brillanten, „stillen“ Zug zur Verfügung: 17. Db3!! Kf8! der einzige Zug, um noch ein kleines bisschen im Spiel zu bleiben.
a) 17...fxg5?? 18.Nd6+ Kh8 19.Nf7+ Kg8 20.Nh6+ Kh8 21.Qg8+ Rxg8 22.Nf7#;
b) 17...Kf8! 18.Sd6 c4 19.Qxc4! Sc5 20.Sxb7 Sxb7 21.Bh3!! Sd6 (21...fxg5?? 22.Sxg5+–) 22.Qe6 Qe7
Und Weiß hat einen gesunden Plus-Bauern und sollte daher – auf lange Sicht – gewinnen.
Aufgabe 4.
Aus Sijbring - Morf.
Stellung nach dem 32. Zug von Schwarz. Wie hat Weiß hier fortgesetzt?
24.e5! (Öffnet alle Angriffslinien gegen den Schwarzen König)
a) 24...Qxe5? 25.Rae1!
b) 24…fxe5 25.Sxg6 Sxg6 26.Lxg6+ Kd7 27.Sf5 Dd8 27.Taf1 mit komplett gewonnener Stellung.
In der Partie folgte:
c) 24...dxe5 25.Sxg6!
[25.Bxg6+! gewinnt auch 25...Kd7 26.Nf5 Qd8
27.Se6 Sxe6 28.dxe6+ Kc7 (28...Kxe6 29.Rad1
Qxd2+ 30.Rxd2+–) 29.Qxd8+ Rxd8 30.e7]
25...Sxg6 26.Bxg6+ Kd8?!
[26...Kd7!? 27.Rhf1 Nf8 28.Be4 Kc7 (28...fxg5
29.d6 Qg7 30.Nd5 Rh6 31.Rxf8 Qxf8 32.Nb6+)
29.Rxf6+–]
27.Raf1?! mit gewonnener Stellung. (NB. Aber nach 27.d6! ist es sofort komplett verloren, es droht Dd2–a5+ mit Matt. Und dagegen lässt sich nichts ausrichten.)
Aufgabe 5 / Vorwort.
Aus Sijbring - Hengelage.
Stellung nach 14.Zug von Schwarz.
Der Läufer auf g7 und der Springer auf e8 tun überhaupt nichts, und es ist sehr schwer zu erkennen, wie man sie aktivieren könnte. Eine richtig trostlose Stellung für Schwarz. Gleichzeitig: Wie um alles in der Welt soll Weiß diese Mauer durchbrechen?
Aufgabe 5a.
Stellung nach dem 51. Zug von Schwarz.
Der positionelle Daumenschrauben wurden immer weiter angezogen. Und es ist offensichtlich, dass Weiß stetige Fortschritte gemacht hat. Wie hätte Weiß hier (sofort) gewinnen können?
52.Sxb6+! cxb6 53.Kxb6 Bd8+ (53...Kc8 54.b5 Kb8 55.Kc6) 54.Ka7! und der weiße b-Bauer rückt weiter vor) 54...Kc8 55.b5 La5 46.b6 Sd8 47.c5 dxc5 48.Sxe5
Aufgabe 5b.
Weiß hat nun fast alle seine Figuren optimiert. (Schwarz hat bisher ‘ewigdauert’ Se8-g7-e8-g7. gespielt).
Wenn Weiß gewinnen will, muss noch eine Figur (der Springer) zum Damenflügel umgruppiert werden.
Aber dann spielt Schwarz 65…Lxg5, 66.hxg5,Sxg5 und 67…Sxf3 und der schwarze h-Bauer stürmt weiter vor. Schwarz könnte «Unter Umständen» die Partie sogar kippen?
Dies Aufgabe ist außerirdisch schwierig.
Ich konnte es nicht ausrechnen und gab die Partie Remis.
Weiß hätte hier aber spielen können?
65.Sc2!! Lxg5 66.hxg5 Sxg5 67.Sa3!
(Raphael Mathyer schlug hier eine völlig andere Idee vor: 67.Lh4! Sxf3 68.Le7 Mit der Absicht, Bc2–a3 –b5–a7 Matt. So ähnlich wie 68...h4 69.Sa3 h3 70.Sb5 h2 71.Sa7#
Schwarz hat jedoch noch 68...Sd4!
69.Se1!! einziger Zug
(69.Sb4? Sgf5!! 70.exf5 (70.Bg5?? Sg3–+) 70...Sxf5 71.Bxd6 Sxd6 72.Sxe5 g5=)
69...f3 70.Sd3!! einziger Zug 70…Ngf5!
71.Bg5!! einziger Zug 71...Sg3 72.Sf2!! einziger Zug 72...Sge2 73.Sf8 Sxc6! 74.dxc6 Sd4 75.Sxg6 Sxc6 76.Se7+ Sxe7 77.Bxe7 Kd7 78.Bg5 c6 79.Kb7 d5 80.Kb6 Kd6 81.Ka5 dxe4 82.Sxe4+ Kd5
83.Sd2 f2 84.Bh4! Und Weiß frisst alle Bauern auf, woraufhin der weiße Läufer und Springer Schwarz „ganz einfach“ schachmatt setzen werden.
Wer von uns Spielern ohne FIDE-Titel glaubt, dass er das nach 4–5 Stunden Spielzeit schaffen könnte? 😊)
65.Sc2!! Bxg5 66.hxg5 Sxg5 67.Sa3! Sxf3 68.Sb5 h4
69.Nb6+!! Kd8 (69...cxb6 70.Bxb6 h3 71.Sxd6#) 70.Kb7 h3 71.Sxc7 h2
72.Se6+ Sxe6 73.dxe6 h1D 74.c7+ Ke7 75.Sd5+ Kxe6 76.c8D+
Mit Matt in 10 Zügen!
Das gesagt; wer hätte denn die Nerven aus Stahl gehabt, Schwarz auf g5 opfern zu lassen?? 😊
Eugens Schachrätsel
Wie von Henk bereits erwähnt, erreichte Eugen am SSS-Turnier in Adelboden den sensationellen zweiten Schlussrang! Auch er hat uns einige spannende Momente aus seinen Stellungen zusammengestellt. Viel Spass!
– Anselm
Weiss am Zug. Welche präzise Fortsetzung fand Eugen hier?
Eugen setzte erfolgreich seine Bauernmasse im Zentrum in Szene:
16.f3! Le6 17.d5 Lh3 18.Lxh3 Dxh3 19.Sf5+-
Wie brachte Eugen die Partie stilvoll zu Ende? Weiss am Zug.
27.Lxg5! fxg5 28.Dxg5+ Kh8 29.De5+
Mit Matt im nächsten Zug. Schwarz gab auf.
Eugen stand mit Schwarz hier auf Gewinn. Mit welchem Zug hätte er die Partie quasi auf der Stelle beenden können?
Mit dem Doppelangriff 42...d4! hätte Eugen die Partie direkt beenden können. Er wählte stattdessen 42...Sf3+?!, wonach die Partie tatsächlich nochmals spannend wurde, siehe Fortsetzung im nächsten Diagramm.
Jetzt ist Präzision gefragt. Wie bringt Schwarz am Zug den vollen Punkt sicher nach Hause?
Eugen fand den richtigen Anfangszug 46...Ld5+! (46...Ld1+ gewinnt auf ähnliche Weise) in der Hoffnung auf 47.Kxe3?! Txa3+ nebst 48...Kxf5 und leichtem Gewinn. Weiss zog allerdings 47.Ke2!? und nun griff Eugen fehl mit 47...Txa3?, was Weiss nach 48.Sxe3 wieder sehr realistische Remischancen gab. Richtig war 47...Lc4+! wonach Schwarz mit 48.Kf3 e2! 49.Kf2 Txa3 einfach gewinnen sollte.
In der Partie hätte Weiss (zumindest gemäss Computer) noch Remischancen gehabt. Eugen blieb aber hartnäckig und sicherte sich am Schluss dennoch den Sieg.
Weiss am Zug. Mit welchem Manöver behielt Eugen hier die Initiative?
17.Se2! (mit der Idee 18.Sf4) 17...g5 18.Sg3 g6 19.bxc6 bxc6 20.Dc2 Le7 und es entstand die Position im folgenden Diagramm.
Weiss am Zug. Weiss braucht eine kraftvolle Fortsetzung, um seinen Vorsprung in Aktivität zu behaupten.
21.Se5! nutzt aus, dass die schwarze Dame an die Verteidigung des g6-Bauerns gebunden ist. Nach 21...Sxe5 22.dxe5 c5 23.Tb7 war die Stellung bereits angenehmer zu spielen für Weiss.
Eugen gewann die Partie schliesslich – Es sollte eine der entscheidenden Siege auf dem Weg zum zweiten Schlussrang werden.
Diese Stellung schreit förmlich nach einem Zug. Eugen fand ihn in der Partie – Weiss am Zug.
20.e4! Die weissen Figuren sind optimal postiert für diesen öffnenden Zug, die schwarzen eher weniger. Nach 20...fxe4 21.Lxe4 Se5 22.f4 Sg4 23.Sd5 hatte Eugen eine absolut überlegene Stellung.
Henk