Ein Turnier mit Hand und Fuss (& Hirn)

Der Bericht zum ersten Réti Hand&Brain-Turnier; organisiert von Andrei.

Am 29. Januar fand das erste – und hoffentlich nicht letzte – Réti Hand&Brain-Turnier statt. Beim Hand&Brain-Schach wird in Zweierteams gespielt, wobei ein Spieler die Rolle der "Hand" und der andere die Rolle des "Brains" übernimmt. Das Brain sagt dabei jeweils die Art der Figur an (z.B. "Springer"), mit der die Hand dann einen Zug ausführen muss. So verwandelt sich das sonst einzelkämpferische Schach in einen unterhaltsamen Teamwettkampf, bei dem man gute Koordination, hohe Flexibilität und gutes Verständnis des Spielstils des Mitspielers beweisen muss.

Zu Turnierbeginn wurden die zehn Teilnehmer in fünf fixe, elo-mässig möglichst ausgeglichene Teams eingeteilt. Gespielt wurde im Round-Robin-Format, mit einer Bedenkzeit von 10 Minuten und 5 Sekunden Inkrement pro Zug. Nach jeder Runde wurde innerhalb des Teams die Rolle der Hand und des Brains getauscht – da jedes Team vier Partien spielen musste, konnte so jeder Spieler zweimal den Part der Hand und zweimal der des Brains übernehmen.

Bald merkten die Teilnehmer, dass Hand&Brain-Schach einige kleine aber entscheidende Unterschiede zum normalen Schach hat. So ist es zum Beispiel als Hand nicht ratsam, in eine scharfe Eröffnungsvariante einzusteigen, die das Brain nicht kennt; Sonst fehlt dann oft im entscheidenden Moment genau dieser eine Springerzug – und plötzlich steht man strategisch verloren. Aber auch die Rolle des Brains hat ihre Tücken: So sollte man zum Beispiel nicht in eine taktische Variante einsteigen, wenn man der Hand das Auffinden eines später folgenden Schlüsselzuges nicht zutraut, sondern stattdessen die Hand durch Ansagen einer anderen Figur zu einem ruhigen Zug zwingen.

Drei der fünf Teams bewiesen gute Koordinationsfähigkeit und hatten vor der Schlussrunde noch Chancen auf den Turniersieg: Das Team Lluís/Christoph hatte einen halben Punkt Vorsprung auf die beiden punktgleichen Verfolgerduos Stefan/Franz (Franz ersetzte Werner ab der 3. Runde) und Lukas/Nils. Lluís und Christoph hatten die Möglichkeit, sich mit einem Sieg gegen Stefan und Franz den Turniersieg zu sichern, während es Lukas und Nils mit dem bereits als viertplatziert feststehende Team Ben/Raphael zu tun bekamen.

Lluís und Christoph hatten zwar zwischenzeitlich eine Qualität mehr, verloren anschliessend aber durch eine übersehene Springergabel und ein übermotiviertes Opfer viel Material, was Stefan und Franz zum Sieg ummünzen konnten, und die beiden in eine exzellente Ausgangslage für den Gesamtsieg brachte. Allerdings hätten sich nun Lukas und Nils ihrerseits mit einem Sieg den Turniersieg noch schnappen können, weil sie dann punktgleich mit Stefan und Franz an der Spitze gewesen wären, das Direktduell zuvor aber für sich entschieden hatten. Es kam also alles auf die letzte Partie des Turniers an...

In dieser Partie hatten Lukas und Nils zwischenzeitlich eine sehr vielversprechende Angriffsstellung, Ben und Raphael verteidigten sich aber zäh und konnten sich in ein Turm&Springer-Endspiel retten. Dort hatten Lukas und Nils zwar einen Mehrbauern, weil aber Ben und Raphael schliesslich eine undruchdringliche Blockade für den letzten verbliebenen Bauern aufbauen konnten, endete diese Partie remis, was Stefan und Franz den Turniersieg einbrachte.

Ein äusserst dramatisches Finale zu einem extrem unterhaltsamen Turnier, das hoffentlich bald eine zweite Auflage erhält!

Kreuztabelle – Turnierendstand

  1 2 3 4 5 Punktzahl
1. Anselm & Andrei   0 0 ½ 0 ½
2. Lukas & Nils 1   1 0 ½
3. Stefan & Werner & Franz 1 0   1 1 3
4. Lluís & Christoph ½ 1 0   1
5. Ben & Raphael 1 ½ 0 0  

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