ASK Réti am grössten Schachturnier der Welt
Unglaubliche 3500 Schachbegeisterte fanden sich über die Ostertage wieder im deutschen Karlsruhe ein. Das grenke Chess Festival, bestehend aus Open-Turnieren und "Freestyle-Open"-Turnieren (in denen Chess960 gespielt wird) in jeweils drei Kategorien, sprengte wieder einmal alle Superlativen. Wer selbst noch nie einem Turnier dieser Grösse teilgenommen hat, kriegt von folgendem Bild, das einen Ausschnitt des kleineren der beiden Spielsäle zeigt, einen Eindruck der Dimensionen dieses Megaevents...

Selbst Schachtitan Magnus Carlsen liess sich das Spektakel nicht entgehen – genauso wenig wie 17 Rétianerinnen und Rétianer. Anbei ein Überblick über ihre Resultate:
| Punkte | Schlussrang (Startrang) | |
| Freestyle Open A | ||
| Jonas Wyss | 3½/8 | 213 (128) |
| Freestyle Open B | ||
| Raphael Steiner | 4/6 (zuerst 3/3 im B Open) | 109 (41) |
| Open A | ||
| Christina Jordan | 5/9 | 368 (535) |
| Theodor Jordan | 4/9 | 614 (854) |
| Anselm Schönbächler | 3½/8 | 701 (810) |
| Nina Brüssow | 2½/9 | 892 (866) |
| Open B | ||
| Daniel Donauer | 6/9 | 129 (218) |
| Gil Cotton | 6/8 | 141 (86) |
| Lluís Usó | 5/8 | 572 (488) |
| Ben Kondzic | 4½/8 | 619 (290) |
| Franz Altner | 4½/8 | 729 (359) |
| Raphael Mathyer | 4½/8 | 747 (310) |
| Nils Miró Hoppe | 4½/9 | 759 (691) |
| Christoph Campora | 3½/7 | 1064 (401) |
| Ieremia Hottinger | 3½/9 | 1109 (811) |
| Luca Valsecchi | ½/3 | 1517 (595) |
| Open C | ||
| Nikolaos Matsokis Arroyo | 4/9 | 375 (82) |
Wie bereits im Jahr zuvor zog das Freestyle Open diverse Top-Spieler an, trotz terminlicher Überschneidung mit dem Kandidatenturnier und dem Spitzenturnier in Menorca. Gewonnen wurde das Freestyle-A-Turnier vom deutschen Lokalmatador Vincent Keymer – Für ihn schliesst sich damit ein Kreis, schliesslich hatte mit seinem Sieg im A-Open vor acht Jahren an demselben Turnier (damals noch im "normalen" 518er-Schach) seine Karriere so richtig begonnen.
Mit Jonas Wyss war auch ein Rétianer beim Freestyle-A-Turnier dabei, allerdings bekam er nach einer ärgerlichen Startrundenniederlage nie die Chance, an den vorderen Brettern mitzumischen. Immerhin konnte er in der sechsten Runde die Internetpersönlichkeit Niclas Huschenbeth, bekannt online als GM Huschenbeth, herausfordern, musste sich ihm aber geschlagen geben.
Abgesehen von Jonas wagte es nur ein anderer Rétianer, sich im 960er-Schach zu probieren. Raphael Steiner nutzte die Gelegenheit, nach 3 Siegen aus 3 Runden im B-Open rüber ins Freestyle-B-Open zu wechseln, und kam so prompt zur Ehre, in der vierten Runde an einem Spitzenbrett spielen zu können – nur wenige Reihen von den Top-Cracks des A-Opens entfernt. Bestimmt ein besonderes Erlebnis!
Im A-Open des Normalschachs wurde derweil Christina Jordan die beste Rétianerin. An ihrem ersten Turnier mit dem neulich errungenen WFM-Titel überzeugte sie mit 5/9 Punkten und einem Schlussrang deutlich überhalb ihrer Startnummer. Ihr Bruder Theodor verpasste mit 4/9 Punkten die 50%-Marke knapp, genauso wie auch Anselm Schönbächler (3½/8). Nina Brüssow musste mit 2½/9 ein wenig Lehrgeld zahlen.
Am B-Open nahmen ganze 10 Rétianer teil. Am erfolgreichsten spielten Daniel Donauer (6/9) und Gil Cotton (6/8) und konnten so ihre tiefen Startnummern gegen die ELO-mässig schwächere Konkurrenz souverän behaupten. Lluís Usó konnte nach einem Horrorstart die Runden sechs, sieben und acht allesamt gewinnen und so mit 5/8 ebenfalls ein gutes Resultat erreichen. Ferner gab es ein Grüppchen von Rétianern, die mit 4½/9 genau auf 50% landeten: Ben Kondzic, Franz Altner, Raphael Mathyer und Nils Miró Hoppe. Christoph Campora und Ieremia Hottinger erreichten 3½ Punkte, während Luca Valsecchi das Turnier nach einem halben Punkt aus drei Runden abbrach.
Im C-Open war mit Nikolaos Matsokis Arroyo nur ein Rétianer vertreten. Er konnte mit seinen 4/9 seiner tiefen Startnummer nicht ganz gerecht werden.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass gewisse Réti-Kämpfer deutlich über ihren Erwartungen spielen konnten, ohne dass jemandem ein grosser Exploit gelungen wäre. Für viele war das sportliche Resultat aber wohl ohnehin nur nebensächlich. Was den Teilnehmenden wohl am meisten in Erinnerung bleibt: Die gewaltigen Spielhallen, wo es alleine fünf Minuten dauert, das richtige Brett zu finden; Die Begegnungen mit Top-Spielern wie Levon Aronian oder Maxime Vachier-Lagrave, die sich geduldig Zeit nahmen, mit allen Fans Selfies zu schiessen; Die Faszination, im gleichen Spielsaal wie Magnus Carlsen spielen zu können und live bei der Auslosung der Startposition dabei zu sein; Und zu guter Letzt auch die geselligen Analysen beim Nachtessen mit den Klubkollegen. Auf ein weiteres Mal im 2027!

Franz mit Levon Aronian.
Hier geht's zur Homepage des grenke Chess Festivals.