SEM 2026: Das grosse Schlussfazit
Mit der gestrigen dreistündigen Rückreise nach Zürich sind für uns Rétianer zehn wundervolle Tage im pittoresken Grächen zu Ende gegangen. Anderthalb Wochen voller Spass und Kollegialität werden uns allen lange in Erinnerung bleiben.
Beginnen wir mit dem sportlichen, wo es von einigen Glanzleistungen zu berichten gibt: Unser Grossmeister Mihajlo Stojanovic gewann nämlich das Meisterturnier! Er setzte sich hauchdünn mit einem halben Buchholzpunkt Vorsprung auf Thomas Beerdsen durch, den er in der 4. Runde in der Direktbegegnung geschlagen hatte (notabene mit Schwarz). Auch die Leistungen der anderen Rétianer im Meisterturnier lassen sich sehen: Ben Kondzic überzeugte mit hervorragenden 4½ Punkten aus 9 Runden und übertraf damit seine Erwartung deutlich. Auch Vincent Lou (5/9), der sein erstes Turnier seit vier Jahren bestritt, und Anselm Schönbächler (4/9) erreichten beachtliche Resultate.
Ein weiteres sportliches Highlight gab's im HT1: Lluís Usó erreichte als Startnummer 49 den sensationellen dritten Platz! Er war noch bis zur Schlussrunde im Rennen um den Turniersieg, musste aber dem erfahrenen Heinz Wirz den Vortritt lassen. Christoph Campora (3/7) und Stefan Berger (2½/7) spielten zwar nie vorne mit, können aber dennoch ein gutes Resultat vorweisen. Enttäuschend verlief das HT1 nur für Eugen Fleischer. Er muss sich mit einem halben Punkt (den er gegen Vereinskollege Stefan erzielte) und dem letzten Platz im Turnier zufrieden geben.
Gemischte Gefühlslage auch im HT3: Herbert Meier (3½/7) kann mit seinem Resultat zufrieden sein, während Danuel Jörger (2/7) basierend auf seinem Startrang mehr zuzutrauen gewesen wäre.
Die Titelturniere verliefen weniger nach Réti-Wunsch: Bei den Herren beenden Daniel Fischer (3½/9) und Evgeny Degtiarev (3/9) das Turnier auf den Schlussrängen 7 und 8 (gewonnen wurde das Turnier überraschend von Teimur Toktomushev), bei den Damen beenden Nina Brüssow (1/6) und Anna Adzic (0/6) das Turnier auf den beiden letzten Plätzen. Das Titelturnier der Senioren, das eine Remisquote wie ein Super-GM-Turnier aufwies, ging ohne Réti-Beteiligung über die Bühne.
Hier geht's zu den Resultaten der SEM 2026 auf chess-results.
Aber zum Glück ist das sportliche ja nicht alles. Die ganzen anderthalb Wochen hindurch konnten wir das Vereinsleben zelebrieren und gemeinsam eine unvergessliche Zeit verbringen. Hier eine kurze Zusammenfassung dessen, was wir abseits des Schachbretts erlebt haben:
Die Meisterturnier-Spieler Ben, Vincent und Anselm reisten in Begleitung mit Christoph bereits am Freitag an. Nach der Zugfahrt bis St. Niklaus nahmen wir das Postauto Richtung Grächen; Weil wir die Fahrt zusammen mit einigen Titelturnier-Spielern bestritten, waren wir wohl ausnahmsweise die schwächsten Schachspieler in einem Bus. In Grächen angekommen bezogen wir unsere Wohnungen: Ben und Christoph wohnten etwas unterhalb des Dorfzentrums (wir scherzten, dass sie bereits in Niedergrächen logieren), während Vincent und Anselm im Haus "Casa Bolivia" in Blickdistanz zum Friedhof verweilten. Den ersten Abend verbrachten wir gemeinsam bei einer Portion Pasta Bolognese mit einer (nicht ganz seriösen) Pokerrunde in Ben und Christophs Appartement.
Am darauffolgenden Tag, während die Meisterturnier-Spieler ihre erste Runde spielten, erreichten auch Stefan und Lluís das beschauliche Grächen. Sie bezogen ihre Zimmer in der Casa Bolivia, die fortan zum Réti-Hauptquartier wurde. An den gewaltigen, ungefähr 50 Zoll grossen Flachbildfernseher wurde die Spielkonsole angeschlossen, die im Verlauf der Woche an verschiedenen Abenden zum Einsatz kam. Am beliebtesten war ganz klar Wii-Sports, und dabei insbesondere Tennis. Stefan, Ben, Vincent und Christoph lieferten sich bis spät in die Nacht einige hoch-emotionale Ballwechsel; Wieso uns dabei keiner unserer Nachbarn wegen Nachtruhestörung zurechtwies, bleibt ehrlich gesagt ein Rätsel...
Das Abendprogramm war aber nicht immer laut und wild; Als Schachspieler haben wir natürlich auch einen Hang zu ruhigen Strategiespielen. Bei der psychologisch komplexen Werwolf-Variante "One Night" bewiesen wir aber eher wenig Geschick. Auch ein von Vincent mitgebrachtes Musik-Ratespiel war einigen von uns etwas zu schwierig. Der Kinderspiel-Klassiker "Dobble" oder eine einfache Partie Tandemschach war da eher mehr nach unserem Gusto.
Auch kulinarisch liessen wir es uns in dieser Woche gut gehen. Neben einem Restaurantbesuch an einem etwas oberhalb des Dorfzentrums gelegenen Bergsees und dem Streetfood-Festival trumpften auch einige Rétianer mit ihren Kochkünsten auf: Lluís machte uns eine leckere Tortilla (die spanische, nicht die mexikanische Variante), Stefan tischte uns seine legendäre Berner Rösti auf und Ben liess uns ein wenig von seinem mitgebrachten bosnischen Rohschinken degustieren. Nur die selbstgemachte Pizza war kein Erfolg: Nicht etwa, weil sie geschmacklich nicht geniessbar gewesen wäre, sondern weil uns die Verkäuferin im Volg nur Teig in Kinderportion-Grösse verkaufen wollte. Da mussten wir spontan umdisponieren und in einer lokalen Pizzeria einige Portionen nachbestellen.
Wettertechnisch waren wir in Grächen vom Glück verfolgt: Abgesehen von zwei kurzen Regenschauern konnten wir die ganze Zeit über die eindrückliche Mattertaler Bergkulisse geniessen. Beim Frühstücken auf der Terrasse bot uns jeden Morgen der Anblick der eindrücklichen Nordwand des Bishorns, den wir so schnell nicht vergessen werden. Das auf 1600 m.ü.M. gelegene Grächen ist im Sommer auch von den Temperaturen her sehr angenehm. Schade also, dass die Schachrunden immer um 13:30 Uhr begannen: So blieb uns nie richtig Zeit, die wunderschöne Gegend zu erkunden. Nur bei wenigen morgendlichen oder abendlichen Kurzausflügen konnten einige von uns die lokalen Sehenswürdigkeiten erblicken, wie das Tor des Riedgletschers, die Aussicht von der Hannigalp oder die mit den berühmten Wasserleitungen ("Suonen") durchzogenen Nadelwälder. Immerhin blieb den HT1-Spielern Stefan und Lluís am letzten Sonntag noch Zeit, bei einem Ausflug nach Zermatt dem ultimativen Schweizer Wahrzeichen, dem Matterhorn, einen Besuch abzustatten.
Das emotionalste Gesprächsthema am Abend war die Musik. Hierbei scheinen unsere Geschmäcker teils weit auseinanderzugehen: Während manche traditionellen, knalligen Hardrock geniessen, bevorzugen andere eher amerikanischen oder deutschen Hip-Hop. Als Mittelweg, auf den wir uns alle verständigen konnten, wählten wir deshalb Müslüm: Sein von uns uminterpretierten "Hello, hier spricht deine ELO" wurde zu unserem Schlachtruf während des Turniers und an praktisch jedem Abend sozusagen als "Nationalhymne" abgespielt.
Zuletzt kristallisierte sich aber auch noch ein anderes Gesprächsthema heraus: Die Spielbedingungen während des Turniers. Das Spiellokal war als umfunktionierte Tennishalle nicht wirklich für einen solchen Anlass ausgelegt, was sich in der Ausstattung der sanitären Anlagen und deren Sauberkeit niederschlug. Den "Analyseraum" (der eine solche Bezeichnung nicht verdient hat, weil er einfach ein auf einem Fussballplatz aufgeklapptes Zelt war) nahmen wir mit Humor zur Kenntnis, waren aber etwas perplex darüber, dass er auch Schauplatz der leblosen Siegerehrung der Hauptturniere war. Die Preisgelder waren dieses Jahr über alle Kategorien hinweg deutlich gekürzt worden: Gab es in den letzten Jahren noch für alle Top-10-Spieler des HT1 einen Geldpreis zu gewinnen, war Lluís mit seinem 3. Rang in diesem Jahr der letzte Preisträger. Zum Glück liessen wir uns davon aber nicht beirren (genausowenig wie von den Fliegen, die während der Partien um uns schwirrten): Wir haben die SEM 2026 in vollen Zügen genossen und werden alle die Zeit in bester Erinnerung behalten!
Im News-Archiv unserer Website findest Du zu jedem Spieltag einen Tagesbericht, mit interessanten Analysen, Rätseln und Bildern. Anbei findest Du einige weitere Eindrücke. Vielen Dank an alle, die zu diesen Berichten und Bildern beigetragen haben!
– Anselm
Hier geht's zum Bericht des Anreisetags.
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Réti-GM Mihajlo Stojanovic gewann das Meisterturnier der SEM 2026. Herzliche Gratulation, Misha! -
Lluís spielte ein sensationelles Turnier und wurde im HT1 starker Dritter. -
Game, Set and Match! Alcaraz, Sinner und Co. müssen sich warm anziehen, wenn unsere Tennischampions aufschlagen. -
Anselm hatte Lospech: Er musste gegen alle drei anderen Rétianer im Meisterturnier spielen. Im Bild sein Duell mit Misha in Runde 1. -
Vincent verlor die ersten beiden Runden durch einzügige Figureneinsteller, fand aber nachher zu seiner üblichen Stärke zurück. -
Ein begabter Tierflüsterer ist Vincent noch nicht... -
Bei einem abendlichen Ausflug von Vincent und Anselm auf die "Chleini Furgge" zeigten sich die Berge von ihrer besten Seite. -
Die Jahrhunderte alten Wasserleitungen ziehen sich kilometerlang durch die Grächener Nadelwälder. -
Lluís und Stefan genossen den Sonntagnachmittag in Zermatt unter den Sonnensegeln mit Blick aufs Matterhorn.